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In der stratum lounge finden regelmäßig Lesungen, Diskussionsrunden, Netzwerktreffen und sonstige Veranstaltungen statt - zu Themen, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten. Informieren Sie sich hier und kommen Sie uns besuchen!

Ein Archiv vergangener Lesungen finden Sie hier.



Die Utopie retten – Wie wir die Entwertung von Nachhaltigkeit verhindern

Am 14.05.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Vieles deutet darauf hin, dass wir den Glauben an eine nachhaltige Zukunft verlieren. Dennis Meadows, einer der Autoren des ersten Berichts an den Club of Rome („Grenzen des Wachstums“, 1972) ist schon vor 20 Jahren zum Pessimisten geworden, als er verkündete, für eine nachhaltige Entwicklung des Planeten sei es zu spät und wir sollten uns lieber darauf vorbereiten, das Überleben der Menschheit zu sichern. 2014, als wir längst davon überzeugt waren, im Anthropozän zu leben, bekräftigten Melinda Benson und Robin Craig die Zweifel am Nachhaltigkeitsziel und gaben die Devise aus, unser Handeln solle sich auf Resilienz, also robuste Krisenfestigkeit, fokussieren statt auf die Utopie eines globalen Wohlstands im Einklang mit den natürlichen Voraussetzungen. Die Verbreitung zunehmender „Klimaskepsis“ und populistischer Absagen an nachhaltige Menschheitsziele sind die Kehrseite dieser Erschöpfung des Nachhaltigkeitsideals.

 

Im neuesten Bericht an den Club of Rome stellt sich Christian Berg diesen Tendenzen entgegen und versucht, die Utopie zu retten, die mit Nachhaltigkeit und „Sustainable Development Goals“ (SDGs) verbunden ist. Dem Autor ist klar, dass dies nicht mit Wiederholungen der bisherigen Nachhaltigkeitsformeln gelingt, sondern nur mit einem kritischen Blick auf die heute zutage tretenden Schwächen des Konzepts. Dazu zählt Berg u.a.:

  • Sowohl das Ziel als auch die konkreten Schritte und Wege dorthin werden mit dem gleichen Begriff „nachhaltig“ bezeichnen
  • Wir unterschätzen häufig die Komplexität, mit der wir es zu tun haben, und berücksichtigen zu wenige Parameter
  • Wir blenden Zielkonflikte aus
  • Wir ignorieren, dass die besten Absichten zu schlechten Neben- und Wechselwirkungen führen können
  • Wir unterstellen, dass die 17 Ziele und 169 Unterziele der Agenda 2030 (SDGs) in sich kohärent und widerspruchslos sind
  • Wir überfrachten die Utopie der Nachhaltigkeit mit religiösen Konnotationen
  • Wir überfordern die Einzelnen mit dem Anspruch eines 100%ig konsequenten Alltagshandelns
  • Wir fördern den unrealistischen Glauben an eine einheitliche globale Steuerbarkeit im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit. 

Am 14. Mai stellt Christian Berg den soeben erschienenen neuen Bericht an den Club of Rome vor und erklärt, unter welchen Voraussetzungen die Utopie des Nachhaltigkeitskonzepts heute seine Gültigkeit behalten könnte.

 

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Es gibt ein Genug – Warum Reichtum nicht die Welt zerstören muss

Am 16.06.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Schon vor über 40.000 Jahren konnten die Menschen mit Feuer umgehen. Da wundert es einen schon, dass der technologische Fortschritt nicht schon viel früher eingesetzt hat und schneller vorangeschritten ist. „Was haben die Menschen denn die ganze Zeit gemacht?“, zitiert der Ethnologe Dieter Kramer seine Frau. Tatsächlich waren die Menschen dieser „Vorzeit“ uns darin überlegen, einen nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln. Sie zeigen uns, dass auch große menschliche Gemeinschaften mit Wohlstand und Fülle des Reichtums dauerhaft umgehen konnten, ohne zerstörerisch zu wirken. In den teilsesshaften Wohlstandsgesellschaften des Neolithikums gab es keinen Zwang zum ständigen Fortschritt. Sie hatten offenbar ein Problem gelöst, vor dem wir heute stehen.


Unter weitreichender historischer Perspektive beleuchtet Dieter Kramer in seinem Buch „Es gibt ein Genug“ die Entwicklung menschlicher Gesellschaften und das Entstehen und Verschwinden der Kulturen. Diese Perspektive lehrt uns, dass es unstatthaft ist, frühere Geschichtsphasen nur als vormoderne Stufen auf dem Weg zur heutigen Moderne zu interpretieren. Andere Kulturen und Phasen der Geschichte hatten bereits Lösungen für die Nachhaltigkeit gefunden – in der Bronzezeit ebenso wie in der Renaissance. Kramer zeigt auf, was wir daraus für den Übergang zur Postwachstumsgesellschaft lernen könnten, vor dem wir heute stehen.


Dabei spielt der „informelle Sektor“ in den Volkwirtschaften eine große Rolle. Er ist bedeutsamer als die heutige Wirtschaftspolitik annimmt, für die es fast ein Tabu darstellt, dass Menschen freiwillig in diesem Sektor bleiben und ihn nicht nur als Warteschleife für den formellen Sektor betrachten.


Am 16. Juni präsentiert Dieter Kramer sein „unkonventionelles“ Buch, das einen neuen Blick auf die aktuelle Postwachstumsdebatte wirft und eher undramatisch in den Suchbewegungen, experimentellen Pfaden und molekularen Wandlungen unserer heutigen Gesellschaft die Vorboten eines neuen nachhaltigen Zeitalters aufspürt.

 

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Der große grüne Schutzwall – Ein „Think Big“-Konzept für den Planeten

Am 30.09.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Dass mit dem Pflanzen von Bäumen in großem Stil der Klimawandel aufgehalten werden könne, verkündeten jüngst Wissenschaftler der ETH Zürich. Natürlich gab es postwendend Kritik an dieser Studie. An den falschen Orten aufzuforsten, könne sogar negative Effekte haben.


Schade, dass damit die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Thema schon wieder verflogen scheint. Denn tatsächlich beschäftigen sich Fachleute mit großen Konzepten, durch Aufforstung und insbesondere Steppenbegrünung nicht nur gigantische Kohlendioxid-Senken zu schaffen, sondern die Wüstenbildung und Degradation von Böden zurückzudrängen.


In Afrika und in China laufen schon seit längerem große Praxisversuche, die in der Fachwelt als „Great Green Wall“ (GGW) bezeichnet werden. China arbeitet seit 40 Jahren daran, am Ende vier Millionen Quadratkilometer Wald auf einer Breite von 4500 Kilometern zu pflanzen, um das Vordringen der Wüste Gobi aufzuhalten. In der Sahelzone sind 65000 Flächenstandorte untersucht worden, um ein 166 Millionen Hektar großes „grünes Netzwerk“ zwischen der afrikanischen Ost- und Westküste entstehen zu lassen. Der Biologe Lorenz Hübner ist überzeugt, dass ein solches Netzwerk „mittel- (Jahrzehnte) und langfristig (Jahrhunderte) eine erhebliche großklimatische Stabilisierung“ auf dem afrikanischen Kontinent bewirken kann.


Hübner beschäftigt sich seit langem mit den „Great Green Walls“. In seinem Buch „Der grüne Rettungsring“ erläutert er die Hintergründe und diskutiert die bisherigen praktischen Erfahrungen ebenso wie weitreichende Modellstudien.


In einer Zeit, in der wir schnelle und kurzfristigste Lösungen bevorzugen und glauben, das Schicksal des Planeten entscheide sich bereits bis zum jeweils nächsten ausgerufenen point of no return, sind die „Think Big“-Perspektiven der GGW, die Lorenz Hübner uns nahebringt, eine vielleicht auch psychohygienische Intervention. Wobei hinzugesagt werden muss, dass die Langfristperspektive der GGW-Projekte nicht bedeutet, dass nicht auch hier für alle von uns praktische Unterstützungs- und Handlungsmöglichkeiten bestehen. Lorenz Hübner wird am 30. September auch darauf eingehen.
 

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