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In der stratum lounge finden regelmäßig Lesungen, Diskussionsrunden, Netzwerktreffen und sonstige Veranstaltungen statt - zu Themen, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten. Informieren Sie sich hier und kommen Sie uns besuchen!

Ein Archiv vergangener Lesungen finden Sie hier.



Mehr Gleichheit für eine gerechtere Welt. Ein politisch-philosophischer Vorschlag

Am 06.10.2022 um 19 Uhr in der stratum lounge

Schon Platon und Aristoteles beschäftigten sich mit der Frage, wie eine gute und gerechte Gesellschaft aussehen müsste und ob es in ihr z.B. Privateigentum geben sollte (Platon: nein, Aristoteles: ja.)

 

Nun macht ein junger Nachwuchs-Philosoph, Dennis Hindenburg, den Versuch, eine Theorie der sozialen Gerechtigkeit aufzustellen. Dabei kombiniert er in einem Gedankenexperiment die Fiktion von Menschen, die sich in einem „Urzustand“ befinden, mit einem Aushandlungsprozess, der sich mit den grundlegenden Fragen des menschlichen Zusammenlebens befasst. Das Ergebnis ist ein „idealer Gesellschaftsvertrag“ in vier Paragrafen, der die Verteilungsprinzipien von „Grundgütern“ und „knappen Gütern“ regelt und auch auf die Rolle von „Beziehungsgütern“ eingeht. Im Anschluss konfrontiert Hindenburg die Aussagen seines Gesellschaftsvertrags mit der Realität heutiger gesellschaftlicher Konfliktthemen wie Nationalismus, Privateigentum, Einkommensverteilung etc.

 

Das Ergebnis seiner Untersuchung ist „die Forderung nach mehr politischer und sozialer Gleichheit bzw. Gleichberechtigung, also Egalität“. Durchaus realistisch weist er darauf hin, dass es historisch gesehen bisher nur „unangenehme Ereignisse“ gewesen seien, die gesellschaftliche Egalität befördert haben: „Kriege, brutale Revolutionen, das Kollabieren von Staaten und Seuchen“. Die Hoffnung des jungen Philosophen ist, dass es „dass es noch eine fünfte Quelle“ für mehr Gleichheit geben möge: „die Einsicht“.  

 

Diskutieren Sie mit Dennis Hindenburg über seinen philosophischen Vorschlag für eine bessere Welt!

 

Die Veranstaltung wird gefördert durch den Brandenburgischen Literaturrat aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. 

 

Wir empfehlen Ihnen: Melden Sie sich rechtzeitig an! Wir haben nur eine begrenzte Platzanzahl.

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Arme Schweine. Zwischen globaler Fleischindustrie und Tierwohl-Label

Am 10.11.2022 um 19 Uhr in der stratum lounge

Genetisch steht uns das Schwein sehr nahe. Schweine sind intelligente und soziale Tiere. Als „lokales Schwein“ in kleinbäuerlicher Hinterhofhaltung lebte es in einem Win-Win-Verhältnis mit dem Menschen. Hier hatten die Schweine Bewegungsfreiheit, um ihre Eigenarten wie Wühlen oder Spielen auszuleben, waren in Gruppen zusammen und wurden weder kastriert noch kupiert. Anders das „globale Schwein“ der heutigen weltweiten Fleischindustrie. „Bei der Stallfütterung nimmt das Mastschwein seine Tagesration in 5 Minuten auf und langweilt sich die restliche Zeit zu Tode“, schreiben die Autoren der von Rudolf Buntzel verantworteten Publikation „Pig Business. Vom Hausschwein zum globalen Massenprodukt“.

 

Und das ist nicht der einzige Aspekt, der als Vergewaltigung der Tiere bezeichnet werden muss: „Seit der Industrialisierung der Schweinehaltung in Deutschland werden die allermeisten konventionell gehaltenen Schweine auf sehr engem Raum gehalten, ohne jemals das Sonnenlicht zu sehen. Einem ausgewachsenen 100-Kilo-Schwein garantiert der Gesetzgeber lediglich 0,75 Quadratmeter Platz.  Auslauf gibt es nicht. Von einer ausreichenden Bewegungsmöglichkeit mit Licht und Luft kann also keine Rede sein. Auch die für Schweine so wichtige Trennung von Schlaf,- Futter- und Kotplatz ist in der Intensivtierhaltung nicht vorgesehen. Dabei stehen die Tiere auf harten Betonboden mit Spalten, den sogenannten Vollspaltenboden, durch die ihre Exkremente fallen.“

 

Diese Zustände sind freilich nicht Ergebnis von reiner Willkür und Gedankenlosigkeit, sondern Elemente eines fast zwangsläufigen Systems, in dem die ökonomischen Bedingungen globalisierter Produktions- und Handelspraktiken wenig Spielräume lassen. Der Effizienzdruck in diesem System führt u.a. zu einer starken genetischen Verarmung und Konzentration auf fünf Topschweinerassen, zu hohem Antibiotikaeinsatz, zu Stickstoffüberdüngung landwirtschaftlicher Flächen und zur Verstärkung von Treibhauseffekten. Hinzu kommen die immensen Verluste der Umwandlung pflanzlicher Nahrungsmittel in tierische, „einfach aufgrund der Tatsache, dass die Konversion von Energie in Form von getreidehaltigen Futtermitteln zu tierischen Produkten einer teilweisen Vernichtung gleichkommt… Tierische Produkte tragen 13 Prozent zur Energiezufuhr der menschlichen Ernährung bei, aber zur Herstellung wird 50 Prozent der Weltgetreideproduktion aufgewandt“.

 

Dennoch steigt weltweit die Nachfrage nach Fleisch, vor allem in den Niedrig- und Mitteleinkommensländern. Und obwohl der Konsum von Schweinefleisch pro Kopf in Europa und den USA seit Jahren sinkt, nehmen hier gleichzeitig die Produktionskapazitäten beständig zu – und speisen den Export. Die Autoren von „Pig Business“ analysieren die weltweiten Dynamiken des Schweinefleisch-Marktes: „Diese gegenläufigen Entwicklungen in Asien und Europa/Nordamerika kennzeichnen die in den letzten Jahren stark expandierten Welthandelsströme von Schweinefleisch: Vor allem Europa exportiert seine Produktionsüberschüsse zunehmend nach Asien.“ 

 

Veränderungen des globalen Systems – sei es im Sinne des Tierschutzes, der Ökologie oder des Klimaschutzes – sind nicht zu erwarten. Auch die Bio-Landwirtschaft in Europa hat es in 30 Jahren nicht geschafft, im Fleischsektor eine Wende einzuleiten: „Erst allmählich entwickelte sich im Schlepptau des großen Erfolgs der anderen Bioprodukte (Obst, Gemüse, Eier, Milch) auch der Schweinefleischumsatz. Er liegt aber auch heute immer nur noch bei unter 1 Prozent des Marktanteils“, schreiben Buntzel und Co. Dennoch sehen die Autoren einen Lichtblick hierzulande. Die seit 2019 geplante Einführung eines „Tierwohl“-Labels in Deutschland ist zwar ein äußerst niedrigschwelliger Einstieg in die Verbesserung der Haltungsbedingungen, denn „die Stufe 1 bietet fast keine Verbesserung im Vergleich zum gesetzlichen Standard – die Schweine erhalten etwa 20 Prozent mehr Platz, also 0,9 Quadratmeter statt 0,75 Quadratmeter pro Schwein und sie dürfen weiterhin auf Vollspaltenboden gehalten werden. Auch der Ringelschwanz wird weiterhin routinemäßig kupiert…“

 

Aber seit im Sommer 2021 der Lebensmittelhändler Aldi verkündet hat, bis 2025 kein Frischfleisch mehr zu verkaufen, das nur dem niedrigen Tierwohlstandard von Stufe 1 entspricht, und darüber hinaus ab 2026 ein Drittel sowie ab 2030 das gesamte Frischfleisch von Tieren aus Außenstall-/Auslaufhaltung oder Biozertifizierung (Stufe 3 oder 4) zu beziehen, erwarten die Autoren einen „Durchbruch“. Sie schreiben: „Es ist keine Prophetie vorherzusehen, dass sich mindestens in Deutschland die Konsumnachfrage und die Tierhaltung stark verändern werden. Das ehemals kleine alternative Schweinesystem wird aus der Nische heraustreten und eine wirkliche gesellschaftliche und ökonomische Alternative neben dem globalen Schwein bilden können“.

 

Rudolf Buntzel wirbt mit „Pig Business“ für diese Alternative zur globalen Fleischindustrie. 

 

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Die Quelle der Nachhaltigkeit ist Zuversicht. Lektionen gegen die Zukunftsangst

Am 17.11.2022 um 19 Uhr in der stratum lounge

Unsere Sprache formt unseren Blick auf die Welt und bestimmt, wie wir mit ihr – und uns – umgehen. Längst ist der Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ zu einem inflationären Etikett geworden, das nahezu jedem Produkt und jeder Praxis nach Belieben aufgeklebt wird. 

 

Der Publizist und Buchautor Ulrich Grober macht in seinem neuen Buch den Versuch, diesen Begriff zu „boostern“. Dabei gelingt es ihm, Nachhaltigkeit sowohl mit den Grundbedürfnissen des Menschen neu zu verknüpfen als auch eine klare Trennlinie zu zerstörerischen Nachhaltigkeits-Illusionen zu ziehen. Damit würden nicht länger Zukunftsangst und der Kampf gegen die Krise unser Handeln bestimmen, sondern – Zuversicht. 

 

Es ist wahr, dass der Blick der Astronauten auf die Erde unser Bild vom verletzlichen „blauen Planeten“ erst ermöglicht hat. Aber genau so wahr ist, dass die Weltraummissionen seit jeher die Sprache der Eroberung sprechen. Ulrich Grober erkennt darin „den großen Irrtum: zu meinen, die Welt sei zum Nutzen und Vorteil des Menschen eingerichtet und könne als Objekt der Eroberung dienen“. Wir müssten stattdessen einsehen, dass der Mensch selbst nur Teil der Natur und gerade dabei ist, die Natur zu erobern und in einem Ausmaß zu zerstören, das auch dem Menschen die Lebensbasis auf diesem Planeten entzieht. 

 

Wir alle ahnen das. Und viele sehen den Ausweg darin, die Wirtschaft und unser Leben „klimaneutral“ zu machen. Aber ist das nachhaltig? Ulrich Grober bezweifelt es: „Ohne Frage, die Klimakrise lässt sich gut ‚runterbrechen‘. Die Eisbären, die Gletscher, der verdorrte Rasen hinterm Haus, der überflutete Keller. Klima versteht jeder. ‚Klimaneutral bis 2050‘ – das ist griffig, das lässt sich operationalisieren. Ja, natürlich: Die Erderwärmung ist ein Teil des Problems, Klimaschutz ein Teil der Lösung. Klimaneutralität ist ein eminent wichtiges Ziel. Aber was ist, wenn die Erderwärmung nur ein Symptom der Krise ist? So wie das Fieber nur ein Symptom der Krankheit ist. Kein Arzt geht davon aus, dass fiebersenkende Mittel den Patienten heilen. Wir müssen größer denken. Nachhaltigkeit geht aufs Ganze.“

 

Dieses „Ganze“ ist bei Grober die Einsicht, dass nicht der CO2-Fußabdruck unser Hauptproblem ist, sondern unsere „Illusion, wir könnten ‚weiter so‘ machen, wenn wir bloß die fossilen Energieträger durch erneuerbare ersetzten. Die unbequeme Wahrheit aber ist: Eine Konsumgesellschaft heutigen Ausmaßes lässt sich auch mit erneuerbaren Energien nicht aufrechterhalten. Damit wäre die Biosphäre heillos überlastet.“ Und die große Angst, die wir bewältigen müssen, wenn wir diese Einsicht ernstnehmen, ist unsere Verzichtsangst.

 

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Das richtige Leben im falschen. Hilft uns die humanistische Psychologie, die Welt zu verbessern?

Am 08.12.2022 um 19 Uhr in der stratum lounge

Unbestritten ist heute, dass unser Wohlstand nicht nur einen ökonomischen Preis hat, sondern auch einen ökologischen und sozialen. Thorsten Nieuwenhuizen geht noch weiter, indem er behauptet, dass wir auch einen physiologischen und psychologischen Preis dafür bezahlen. Und diesen Preis bezahlen wir direkt, in unserem eigenen Leben: „Wir internalisieren den Raubbau in nicht unerheblichem Ausmaß auch zu Lasten unserer eigenen Gesundheit“, schreibt der Autor des Buches „Vom EGO zum ECO. Vom Fußabdruck zum Herzabdruck“.

 

Für den Wirtschaftsmathematiker und Manager in der Logistikbranche ist dieses Buch so etwas wie die Halbzeitbilanz seines Lebens, das ihm auch bereits einen beruflich bedingten Burnout beschert hat. Zwischen der persönlichen Überlastung und der Erdüberlastung sieht er einen engen Zusammenhang: „Was sich betriebswirtschaftlich als Wertschöpfungskette liest, entpuppt sich volkswirtschaftlich als Natur- und Menscherschöpfung, als nicht zukunftsgerechte Wertzerstörungskette.“ 

 

Dem Fortschrittsoptimismus des „Green Growth“ erteilt Nieuwenhuizen eine Absage. Auch in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen stecke der Irrtum, Wirtschaftswachstum und Klimaschutz seien miteinander vereinbar: „Das SDG 8 zum Wirtschaftswachstum konterkariert das SDG 13 zum Klimaschutz. Beides gleichzeitig wird nicht funktionieren. Der Traum vom Grünen Wachstum bleibt ein reines Wunschdenken, da sich der Ressourcenverbrauch und damit die Umweltbelastung aufgrund des Rebound-Effekts ohne einen Pfad- und Musterwechsel nicht entkoppeln lassen.“

 

Nur durch eine „deutliche Reduktion unseres Verbrauchs und Konsums“ werde es möglich sein, das Leben auf unserem Planeten für alle nachhaltig zu gestalten, stellt der Autor fest. Aber verträgt sich dieser Lösungsweg mit den menschlichen Bedürfnissen? Um diese zentrale Frage kreist das Buch.

 

Antworten findet Nieuwenhuizen u.a. in der humanistischen Psychologie. Eindringlich stellt er dar, dass die berühmte Bedürfnispyramide von Abraham Maslow gar nicht in der egozentrischen „Selbstverwirklichung“ ende, sondern eigentlich als Sinnverwirklichung und Selbsttranszendenz gemeint war – was Maslow kurz vor seinem Tod im Austausch mit Viktor Frankl stark beschäftigt hat. In diesem Konzept findet der Autor nun auch die Lösung unseres Wachstumsproblems, nämlich den persönlichen Weg vom materialistischen Haben-Wollen zum natur- und menschenverträglichen Sein-Wollen. Einen Weg, den jede und jeder für sich einschlagen könne. Insofern gäbe es durchaus die Möglichkeit für ein „richtiges Leben im falschen“: „Wie wir unsere Tage verleben, so wird unser Leben. Wenn wir uns wandeln, verwandelt sich unsere Welt.“

 

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Einfach grüner leben. Welcher nachhaltige Lebensstil passt zu mir?

Am 13.01.2023 um 19 Uhr in der stratum lounge

Die Auswahl ist groß – von Autofrei leben bis Zero Waste gibt es heute zahlreiche Lebensstil-Modelle, die uns die Möglichkeit eröffnen, eigene Interessen und Ziele mit mehr Nachhaltigkeit zu verbinden. Aber was passt am besten zu mir?

 

Die Kulturwissenschaftlerin Anika Neugart versammelt in ihrem Buch „Simply Green“ die 16 bedeutsamsten nachhaltigen Lebensstile und unterzieht sie einem Faktencheck, der uns helfen kann, das für einen selbst richtige zu finden. Dabei stößt der Leser/die Leserin garantiert auch auf neue Perspektiven, die Lust machen, auch einmal etwas Neues auszuprobieren.

 

Oder wussten Sie vielleicht schon, dass…

  • die Aufbewahrung von analogen Konsumgütern wie Filmen, Musikalben oder Büchern heute unnötig ist
  • 60 Prozent der Deutschen eine autarke Lebensweise attraktiv finden
  • der Trend zum Veganismus von Frauen vorangetrieben wird – sie machen 81 Prozent der vegan lebenden Menschen bei uns aus
  • der Plastikfrei-Trend vor allem durch Gesundheitsargumente gestärkt wird, wenn Konsumenten von den gesundheitlichen Risiken der Kunststoffe erfahren
  • der Zero-Waste-Lebensstil zwar auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, sich aber kaum auf die eigene Klimabilanz auswirkt
  • der autofreie Lebensstil bisher hauptsächlich von einer sportlichen und flexiblen Mittelschicht in den Städten gelebt wird
  • „Mikroabenteuer“ nicht nur der nachhaltigere Tourismus sind, sondern auch gegen Pandemie-Monotonie helfen?

Anika Neugart beschreibt jeden der 16 nachhaltigen Lebensstile in seinen verschiedenen Facetten, informiert über die jeweilige Entstehungsgeschichte und die globale Bedeutung der Lebensstil-Trends und wägt das Für und Wider ab. 

 

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Klimapsychologie: Schluss mit den Ausreden!

Am 09.02.2023 um 19 Uhr in der stratum lounge

Die Kluft zwischen – hohem – Umweltbewusstsein und – mindestens inkonsequentem – Umweltverhalten ist oft thematisiert und beklagt worden. Beim Klima ist es nicht anders. Was den Laien wundert, Klimaaktivisten ärgert und Politiker manchmal ratlos macht, ist für den Psychologen durchaus erklärlich: „Als Menschen haben wir ein erstaunliches Talent dafür, Widersprüche in unserem Denken und Handeln zu ignorieren, aufzulösen oder achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen“, sagt uns z.B. Thomas Brudermann

 

In seinem Buch „Die Kunst der Ausrede“ erklärt der Psychologe und Nachhaltigkeitsforscher an der Universität Graz, warum das so ist: Letztlich dienen all die Ausreden und faulen Kompromisse, die wir machen, der Aufrechterhaltung und dem Schutz unseres Selbstwertkonzepts. Wir sind psychische Energiesparer und Nutzenmaximierer: „Das Ausblenden von unangenehmen Konsequenzen des eigenen Konsumverhaltens ist jedenfalls eine effektive Selbstschutzstrategie und auch ein Schutzmechanismus, um keine anstrengenden Verhaltensänderungen vornehmen zu müssen.“

 

Sage und schreibe 25 Ausrede-Strategien hat Thomas Brudermann gefunden, die dazu beitragen, dass wir „uns lieber selbst täuschen, statt klimafreundlich zu leben“. Die breite Palette dürfte jedem und jeder Leser/in einige Aha-Erlebnisse bescheren.

 

Im Hintergrund stehen dabei zwei grundlegende Erkenntnisse der psychologischen Verhaltensökonomie:

 

  1. Faktenwissen ist hinsichtlich des klimarelevanten Verhaltens irrelevant. Nicht der Grad des Wissens entscheidet, sondern die politische Gesinnung. Untersuchungen zeigen, dass eher liberal eingestellte Menschen hohe, eher konservative Menschen nur geringe Klimarisiken erkennen.
  2. Gewohnheiten bestimmen unser Leben und machen Verhaltensänderungen schwer. Das habe „auch mit der Effizienz unseres Gehirns zu tun, das durch automatisierte Verhaltensweisen seinen Energieaufwand reduziert“, weiß der Psychologe. Und wir haben eben eine Reihe von Gewohnheiten entwickelt, die umwelt- und klimaschädlich sind.

Auch wenn solche Erkenntnisse der Psychologie die Hoffnung auf schnelle und grundlegende Verhaltensänderungen stark dämpfen, zeigen sie uns doch eine realistischere Perspektive auf. „Auf individuelle Verantwortung zu setzen, ist wenig zielführend, wenn die notwendigen Strukturen für klimafreundliches Leben fehlen,“ stellt Thomas Brudermann fest. Denn unser „Verhalten wird maßgeblich von der Entscheidungsarchitektur beeinflusst, in der wir uns wiederfinden“. 

 

Es müsste also darum gehen, die Rahmenbedingungen für Verhaltensalternativen zu verbessern, anstatt sich über inkonsequentes Verbraucherverhalten aufzuregen und die Klima-Ausreden der anderen anzuprangern. Das wäre sozusagen der Auftrag der Psychologie an die Politik.

 

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Zwischen Klimaangst und schlechtem Gewissen – Wie kommen wir psychisch gesund durch die Krise?

Am 14.03.2023 um 19 Uhr in der stratum lounge

Die Klimakrise beschäftigt uns alle – auf die eine oder andere Weise. Die meisten Menschen versuchen irgendwie, den täglichen Widerspruch zwischen einer klimabewussten Einstellung und ihrem faktischen Lebensstil und Verhalten zu minimieren. Die im niedersächsischen Schneverdingen praktizierende Psychotherapeutin Katharina van Bronswijk erklärt in ihren Buch „Klima im Kopf“, wie unser Gehirn das hinbekommt, indem es „kognitive Dissonanzen“ reduziert und ein potenziell schlechtes Gewissen durch „Biases“ – kognitive Verzerrungen – beruhigt. So führt der „Single Action Bias“ dazu, dass wir einzelne umwelt- und klimafreundliche Aktionen wie Mülltrennen oder ein E-Auto fahren benutzen, um uns von weiterer Verantwortung zu befreien. 

 

Katharina van Bronswijk möchte uns aber nicht solche Schwächen vorrechnen, sondern mit einem psychologischen Ansatz erklären, wie man geschickter vorgehen kann, um Psychologie und Ökologie miteinander in Einklang zu bringen. Sie erklärt uns z.B.: „Wenn man Leuten in einem Brief mitteilt, dass sie im Vergleich zu ihren Nachbarn überdurchschnittlich viel Strom verbrauchen, dann sparen sie mehr Strom ein, als wenn man ihnen vorrechnet, wie viel Geld sie sparen konnten.“

 

Psychologische Aspekte hat das Klimathema jedoch auch, wenn es um die Menschen geht, die unter Klimaangst oder Klimadepression leiden. „Klimaangst ist längst ein Mehrheitsthema“, stellt die Psychologin fest, die selbst seit 2009 im Klimaschutz aktiv und Sprecherin der Psychologists and Psychotherapists for Future ist. „Klimagefühle können so stark werden“, hat die Psychologin in ihrer therapeutischen Praxis beobachtet, "dass wir sie nicht mehr einfach wegregulieren und durchfühlen können. Bei manchen Menschen kippen die Klimagefühle tatsachlich in Panik oder Lähmung, in Antrieblosigkeit oder Grübelschleifen“. Aus verhaltenstherapeutischer Sicht erläutert Katharina van Bronswijk, wie man Wege aus zu starker Klimaangst und Klimadepression findet. Was diese psychologischen Auswege aus der „Klimakrise im Kopf“ für uns alle wertvoll macht, sind die damit verbundenen Hinweise, wie wir einen „konstruktiven Optimismus“ inmitten der globalen Problemlagen entwickeln.

 

Denn wir alle brauchen in der Klimakrise „Annäherungsziele, nicht nur Vermeidungsziele“ so van Bronswijk: „Wir wollen keine Klimakrise und kein Artensterben, wir wollen kein Überschreiten der planetaren Grenzen. Klar. Aber wir brauchen auch eine Vorstellung davon, was wir stattdessen wollen.“ Dann kommen wir höchstwahrscheinlich psychisch gesund durch krisenhafte Zeiten, deren Ende nicht absehbar ist. Denn „es kommt ja kein Tag X, an dem gemessen wird, ob wir das mit der Klimakrise nun geschafft haben, und dann entweder das Paradies erscheint oder die Welt in ein schwarzes Loch gesogen wird.“ 

 

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