Wir tauschen uns gerne aus.

In der stratum lounge finden regelmäßig Lesungen, Diskussionsrunden, Netzwerktreffen und sonstige Veranstaltungen statt - zu Themen, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten. Informieren Sie sich hier und kommen Sie uns besuchen!

Ein Archiv vergangener Lesungen finden Sie hier.



Caring Men – Wie fürsorgliche Männlichkeit die Welt transformieren könnte

Am 08.09.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Wie kommt es eigentlich, dass heute immer noch der „Androzentrismus“ unsere Gesellschaft beherrscht, der dafür verantwortlich ist, dass fürsorgliches Verhalten und soziale Reproduktion (= Kindererziehung) normativ den Frauen zugeordnet wird und Männer sich als Berufs- und Machtmenschen verwirklichen?


Sylka Scholz und Andreas Heilmann haben in einem mehrjährigen Arbeits- und Diskussionsprozess Wissenschaftler/innen dazu befragt und sind Entwicklungstendenzen auf den Grund gegangen, die möglicherweise ein neues – fürsorgliches – Paradigma der Männlichkeit hervorbringen.


Dabei konnten sie allerdings nicht umhin, anzuerkennen, dass gesellschaftliche Verhältnisse und die „Subjektivierungsweisen“ von Männern eng zusammenhängen. Sie stellen fest, dass es „eine enge Verknüpfung von Männlichkeit und kapitalistischer Wachstumslogik gibt“. Im Umkehrschluss sei daraus allerdings auch die „konkrete Utopie“ abzuleiten, dass neue Männlichkeit im Sinne von „Caring Masculinities“ einen Systemwandel vorantreiben könnte.


Die Tatsache, dass heute mehr Männer als noch vor 20, 30 Jahren ihre berufszentrierte Lebensweise einschränken, um sich stärker der „Lebenssorge“ zu widmen, reiche allein jedoch noch nicht aus, um sich große Hoffnungen auf eine gesellschaftliche Transformation zu machen. Scholz und Heilmann befürchten, dass die derzeit gesellschaftspolitisch unterstützte Beteiligung von Vätern an der Familienarbeit neoliberal funktionalisiert werden könnte: „Väter sollen sich an der Familienarbeit beteiligen, damit Mütter dem Arbeitsmarkt möglichst umfassend zur Verfügung stehen können.“


Diskutieren Sie mit Sylka Scholz und Andreas Heilmann über den Stand der Männlichkeitsforschung und die Chance, durch einen erweiterten Begriff von Care/Caring/Fürsorge neue Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens zu begründen.

 

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Rettet uns der grüne Kapitalismus? Wege aus der dreifachen Krise

Am 16.09.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Seit Monaten leben wir durch Corona im Krisenmodus. Und diese Krise scheint zu einer multiplen zu werden, folgt man Christian Zeller, der Professor für Wirtschaftsgeographie in Salzburg ist und die ökosozialistische Bewegung in Österreich mit organisiert. Klimakrise, Gesundheitskrise und Wirtschaftskrise verdichten sich heute zu einer neuen Situation, die radikale Alternativen notwendig machen, so Zeller.

 

Der Klimabewegung wirft Christian Zeller vor, zu unterschätzen, „wie umfassend die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen sein müssen, um die Klimaerwärmung wirklich zu begrenzen“. Auf Demonstrationen Schilder hochzuhalten mit dem Spruch „System Change, not Climate Change“ reiche nicht aus. Und auch der Weltklimarat IPCC lasse sich „in das enge Korsett der neoklassischen Mainstreamwirtschaftswissenschaft“ zwängen, anstatt die gesellschaftliche und politische Dimension des Klimaproblems in den Blick zu nehmen.

 

Als Alternative skizziert Zeller einen ökosozialistischen Umbau unserer Gesellschaft, der nicht ohne radikale Brüche stattfinden könne. Statt auf Emissionshandel und CO2-Steuern zu setzen, sieht diese Alternative den Umbau der Produktionsprozesse selbst vor, der vor dem Hintergrund der Konversion ganzer Industrien stattfinden müsse. 

 

Dabei berücksichtigt Zeller durchaus das historisch belegte Scheitern bürokratischer Kommandowirtschaften und betont, dass eine ökosozialistische Wende nur global und gleichzeitig in allen großen kapitalistischen Volkswirtschaften einschließlich der Chinas stattfinden könne. Daran, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem aufgrund seiner eigenen inneren Widersprüche irgendwann quasi von selbst zusammenbrechen müsse, glaubt der Autor des Buches „Revolution für das Klima“ nicht. 

 

Diskutieren Sie mit ihm über die Chancen einer ökosozialistischen Gesellschaft, die keine Rüstungsindustrie mehr kennt, autofrei ist und in der der Skisport verpönt sein wird.

 

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Jenseits des grünen Wachstums – Die Stadt der Zukunft ist holistisch

Am 24.09.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Die Zukunft unseres Planeten entscheidet sich in den Städten. Hier wird sich auch zeigen, wie wir die Anpassung an den Klimawandel schaffen und ob unser Lebensstil nachhaltiger wird.

 

Das sollte uns jedoch nicht zu dem Schluss verleiten, dass die Konzepte für ein „grünes“ Stadtwachstum ausreichen, lebenswerte Stadtgesellschaften zu entwickeln. Diese Konzepte führen derzeit eher zur Auseinanderentwicklung von sozialen und ökologischen Planungen und einem zunehmenden Wertekonflikt zwischen ökologischer und sozialer Stadtentwicklung, wie uns Stadtforscher mitteilen.

 

An der Bauhaus-Universität in Weimar fand letztes Jahr eine Konferenz mit dem Auftrag statt, Wege aus diesem Dilemma zu suchen. Wie könnte eine „holistische Stadtplanung“ aussehen, die von vornherein die Ökologisierung der Mittelschichten-Stadtteile auf Kosten der Hartz 4-Empfänger-Wohngegenden vermeidet?

 

Anton Brokow-Loga wird den Sammelband der wissenschaftlichen Beiträge der Weimarer Konferenz vorstellen, den er unter dem Titel “Postwachstumsstadt“ zusammen  mit Frank Eckardt herausgegeben hat. Diskutieren Sie mit ihm darüber, ob es eine Stadtpolitik jenseits des Wachstumszwangs geben kann und welche Formen der gesellschaftlichen Kommunikation zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen einer Stadt zu einer neuen, nachhaltigen „Soziabilität“ führen.

 

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Der große grüne Schutzwall – Ein „Think Big“-Konzept für den Planeten

Am 30.09.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Dass mit dem Pflanzen von Bäumen in großem Stil der Klimawandel aufgehalten werden könne, verkündeten jüngst Wissenschaftler der ETH Zürich. Natürlich gab es postwendend Kritik an dieser Studie. An den falschen Orten aufzuforsten, könne sogar negative Effekte haben.


Schade, dass damit die öffentliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Thema schon wieder verflogen scheint. Denn tatsächlich beschäftigen sich Fachleute mit großen Konzepten, durch Aufforstung und insbesondere Steppenbegrünung nicht nur gigantische Kohlendioxid-Senken zu schaffen, sondern die Wüstenbildung und Degradation von Böden zurückzudrängen.


In Afrika und in China laufen schon seit längerem große Praxisversuche, die in der Fachwelt als „Great Green Wall“ (GGW) bezeichnet werden. China arbeitet seit 40 Jahren daran, am Ende vier Millionen Quadratkilometer Wald auf einer Breite von 4500 Kilometern zu pflanzen, um das Vordringen der Wüste Gobi aufzuhalten. In der Sahelzone sind 65000 Flächenstandorte untersucht worden, um ein 166 Millionen Hektar großes „grünes Netzwerk“ zwischen der afrikanischen Ost- und Westküste entstehen zu lassen. Der Biologe Lorenz Hübner ist überzeugt, dass ein solches Netzwerk „mittel- (Jahrzehnte) und langfristig (Jahrhunderte) eine erhebliche großklimatische Stabilisierung“ auf dem afrikanischen Kontinent bewirken kann.


Hübner beschäftigt sich seit langem mit den „Great Green Walls“. In seinem Buch „Der grüne Rettungsring“ erläutert er die Hintergründe und diskutiert die bisherigen praktischen Erfahrungen ebenso wie weitreichende Modellstudien.


In einer Zeit, in der wir schnelle und kurzfristigste Lösungen bevorzugen und glauben, das Schicksal des Planeten entscheide sich bereits bis zum jeweils nächsten ausgerufenen point of no return, sind die „Think Big“-Perspektiven der GGW, die Lorenz Hübner uns nahebringt, eine vielleicht auch psychohygienische Intervention. Wobei hinzugesagt werden muss, dass die Langfristperspektive der GGW-Projekte nicht bedeutet, dass nicht auch hier für alle von uns praktische Unterstützungs- und Handlungsmöglichkeiten bestehen. Lorenz Hübner wird am 30. September auch darauf eingehen.
 

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Große Transformation & kleine Schritte - Nutzen wir die windows of opportunity?

Am 06.10.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Nachhaltigkeit als globaler Wohlstand in den ökologischen Grenzen des Erdsystems für die heute lebenden und die künftigen Generationen ist eine Vision, über die ein großer Konsens in unserer Gesellschaft bestehen dürfte. Dissens und Ratlosigkeit hingegen betreffen nicht dieses Was, sondern das Wie der „großen Transformation“, die uns der Vision näher bringen soll. Und hierbei geht es u.a. um die Frage, ob wir die windows of opportunity zu nutzen verstehen, die es erlauben würden, unserem komplexen gesellschaftlichen System eine andere Richtung zu geben.


Kora Kristof hat sich bereits in ihrer Habilitation 2006 mit den Fragen der Transformationsfähigkeit unserer Welt auseinandergesetzt. Die heutige Abteilungsleiterin im Umweltbundesamt greift mit ihrem neuen Buch „Wie Transformation gelingt“ dieses große Thema wieder auf und legt eine systematische Analyse der Erfolgsfaktoren einer nachhaltigen gesellschaftlichen Transformation vor.


Wesentliche Erkenntnisse aus dieser Analyse betreffen die sehr begrenzte Steuerbarkeit und Planbarkeit von Veränderungen und den Nutzen, den ein „Navigationsmodell“ für Change Agents der Nachhaltigkeit hat. Dabei geht es u.a. um die Frage, wie „Gelegenheitsfenster“ entdeckt und genutzt werden. Kora Kristof stellt fest, dass „die Akteure sie frühzeitig erkennen und auf sie vorbereitet sein müssen, denn sie schließen sich manchmal so schnell wieder, dass nicht genug Zeit bleibt, um erst dann Ideen und Lösungsvorschläge zu entwickeln“. Die Corona-Krise ist ein solches Fenster und die spannende Frage ist, ob wir es nutzen.


Diskutieren Sie mit Kora Kristof über das Wie der Transformation und erfahren Sie, welche Empfehlungen die Veränderungsexpertin den Akteuren der Nachhaltigkeit noch mit auf den Weg geben möchte.

 

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Nicht besser, sondern anders – Was man von berühmten Menschen lernen kann

Am 15.10.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Mit Glaubenssätzen wie „Qualität setzt sich von alleine durch“ oder „Bescheidenheit ist eine Zier“ behindern wir uns selbst. Wer immer darauf wartet, dass andere ihn (oder sie) anerkennen und fördern, wartet oft vergeblich…

 

Rainer Zitelmann erläutert mit seinem neuen Buch „Die Kunst, berühmt zu werden“ an zwölf exemplarischen Beispielen, was den Unterschied ausmacht. Warum kennt jeder Stephen Hawking, obwohl er als Physiker gar nicht der Ausnahmewissenschaftler war, als der er in der Öffentlichkeit angesehen wurde? Wieso ist Kim Kardeshian berühmt, obwohl sie weder als Schauspielerin, noch als Sängerin oder Tänzerin je erfolgreich war? 

 

Zitelmanns Analyse ist durchaus nicht nur für die wenigen Menschen interessant, die selbst weltberühmt werden wollen. Vielmehr lässt sich an den gut bekannten, prominenten Beispielen wie unter dem Vergrößerungsglas erkennen, was engagierten und kompetenten Menschen helfen könnte, mehr Geltung zu erlangen und Wirksamkeit zu entfalten. "Um aufzufallen, muss man nicht unbedingt besser sein als alle anderen, aber mit Sicherheit muss man anders sein“, stellt Zitelmann fest. Was im Einzelnen an Strategien aus der Analyse so unterschiedlicher Celebrities wie Albert Einstein, Karl Lagerfeld oder Steve Jobs erkennbar wird, stellt Rainer Zitelmann am 15. Oktober bei stratum zur Diskussion.

 

Der zweimal promovierte Historiker, Buchautor, Unternehmer und Investor Rainer Zitelmann hat sich selbst in vielen Bereichen profiliert. Politisch hat er sich vom Marxisten zum Nationalliberalen gewandelt. Vielen dürfte er mit seinem biografischen Buch „Wenn Du nicht mehr brennst, starte neu!“, das 2017 zu seinem sechzigsten Geburtstag erschienen ist, bekannt geworden sein.

 

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Das Ende der Scheinriesen – Wie die Welt wieder kleiner und resilienter wird

Am 21.10.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Das Bild vom Scheinriesen Tur-Tur aus Michael Endes Kinderbuchklassiker „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ durchzieht Ute Scheubs und Christian Küttners zivilisationskritisches Buch über den „Abschied vom Größenwahn“. So wie Tur-Tur nur aus der ferne als Riese erscheint, aber immer mehr zusammenschrumpft, je näher man ihm kommt, so erscheinen den Autoren auch die Errungenschaften unserer industriellen Zivilisation bei ihrer Annäherung nicht nur als wenig beeindruckend, sondern sogar als zukunftsleer. Großindustrie, Konzernstrukturen, Großmächte oder Megacities – sie alle werden nicht überleben, weil sie dauerhaft krisenanfällig und weit weg von jener Resilienz sind, die für eine nachhaltige Zukunft entscheidend sein wird. Der weiteren Zerstörung unserer Lebengrundlagen entgehen wir nur durch Kleinteiligkeit, Dezentralität, regenerative Ökonomien, Netzwerke, Selbstorganisation und bionische Lösungen. „Small is beautiful“ 2.0. 

 

Was das Buch von Scheub/Küttner aus vergleichbaren kritischen Statements abhebt, ist zweierlei. Zum einen ist es der gelungene Versuch, „kalte Begrifflichkeiten aus Ökonomie und Wissenschaft durch warme, lebendige Wörter zu ersetzen.“ Was vielleicht zunächst wie eine stilistische Nebensächlichkeit erscheinen mag, erweist sich als enorme Lesehilfe. Es macht tatsächlich einen Unterschied, wenn die verbreitete Fachterminologie und Technokratensprache ganz beiseitegelassen wird und nicht mehr von „Zielgruppen“, „Naturkapital“, „sozialökologischer Transformation“ oder „Ökosystemdienstleistungen“ die Rede ist.

 

Das kommt dann auch der zweiten Intention der Autoren zugute, nämlich keine „Ökokalypse“ beschreiben, sondern „strategischen Optimismus“ verbreiten zu wollen. Deshalb ist ihr Buch voll mit realistischen Vorschlägen und realen Beispielen dafür, wie eine „menschen- und planetenfreundliche Zukunft“ aussehen könnte. Ute Scheub und Christian Küttner rufen nicht zu Kampf und Widerstand auf, sondern geben Anleitung für eine „liebevolle Sterbebegleitung des alten Systems“.

 

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Globalisierung – die große Perspektive

Am 03.11.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Seit Beginn der neunziger Jahre hat sich „Globalisierung“ zu einem allgegenwärtigen Begriff herausgebildet. Für die einen bedeutet Globalisierung den Inbegriff der Ausbeutung der Welt im planetaren Maßstab, für die anderen ist sie ein zivilisatorischer Meilenstein hin zu einer vernetzten, vielfältigen und reicheren Welt.


Der Ethnologe und Kulturanthropologe Rüdiger Vossen hat sich mit seinem 400 Seiten starken Überblick über die Geschichte der Globalisierung die Aufgabe gestellt, eine vorläufige Bilanz dieses Prozesses zu ziehen, die die Gewinne und Verluste verzeichnet und sich nicht nur auf die ökonomische und wirtschaftspolitische Dimension beschränkt, sondern kulturelle, soziale und psychologische Aspekte einbezieht.


Er zeichnet die große Linie der Globalisierung nach, die als „Globalisierung zu Fuß“ bereits mit der Stammesgeschichte des Menschen beginnt, über die „Weltreiche“ der Antike hin zur ersten „heißen Phase“ im 15. Jahrhundert reicht, als die Verbreitung des Buchdrucks und die Zeit der globalen Entdeckungen begann. Die Entwicklung, in der wir uns heute befinden, setzte diese Globalisierungstendenz durch Imperialismus, Digitalisierung, Massenkonsum und Massenmobilität fort.


Am Ende des Buches fällt die Bilanz des Autors eher beunruhigend aus, zu sehr scheinen die Fehlentwicklungen zu überwiegen. Dennoch versucht er eine positive Vision der Fortsetzung der Geschichte der Globalisierung zu skizzieren. Diskutieren Sie mit ihm über die Frage, warum wir heute vor einem Menschheitsprojekt stehen und welche Kräfte es dafür braucht, die Entwicklung zu beeinflussen.

 

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Das Ende der Neuzeit – Nachhaltigkeit braucht keinen Fortschritt

Am 11.11.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Roland Fischer beleuchtet die Grenzen des Wachstums aus einer neuen Perspektive. Es gebe „für den Fuß des Menschen kein wertvolles Neuland mehr zu betreten“, stellt er fest, sogar eine mögliche Marsexpedition würde nur die „teuerste, nutzloseste und langweiligste Entdeckerreise“ aller Zeiten sein. Die Neuzeit als Epoche der Erschließung der Welt gehe zu Ende und der Menschheit komme folgerichtig die Fortschrittsgläubigkeit abhanden. 

 

Aus dem Mund eines Maschinenbauingenieurs, der Fischer ist (er arbeitet bei einem Windkraftanlagenbauer), mag dies eine verblüffende Botschaft sein. In seinem Buch erklärt Fischer aber gerade aus naturwissenschaftlich-technischer Sicht, dass Autos auch in hundert Jahren nicht schneller fahren werden als heute oder die Fernreise nach Australien sich nicht umweltneutral gestalten lässt. Der technische Fortschritt werde uns zwar noch viele Detailverbesserungen bescheren, aber keine grundlegenden Lösungen mehr bringen. 

 

In Zukunft gehe es deshalb nicht mehr so sehr darum, zu fragen, was wir dafür tun können, Probleme zu lösen, sondern was wir unterlassen müssen, um Probleme zu vermeiden

 

Der bevorstehende kulturelle Wandel, so der Autor, werde ein ganzes neues Zeitalter prägen, für das er auch gleich einen Namen vorschlägt: Im „Anthroponomikum“ werde die Menschheit lernen, ihre Produktivität drastisch  zu reduzieren. Roland Fischer malt uns diese Zukunft jedoch nicht als „Miserabilist“ mit Konsumverzicht und Schreckensbotschaften aus, sondern als Künder eines neuen immateriellen Wohlstands.

 

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Es gibt ein Genug – Warum Reichtum nicht die Welt zerstören muss

Am 18.11.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Schon vor über 40.000 Jahren konnten die Menschen mit Feuer umgehen. Da wundert es einen schon, dass der technologische Fortschritt nicht schon viel früher eingesetzt hat und schneller vorangeschritten ist. „Was haben die Menschen denn die ganze Zeit gemacht?“, zitiert der Ethnologe Dieter Kramer seine Frau. Tatsächlich waren die Menschen dieser „Vorzeit“ uns darin überlegen, einen nachhaltigen Lebensstil zu entwickeln. Sie zeigen uns, dass auch große menschliche Gemeinschaften mit Wohlstand und Fülle des Reichtums dauerhaft umgehen konnten, ohne zerstörerisch zu wirken. In den teilsesshaften Wohlstandsgesellschaften des Neolithikums gab es keinen Zwang zum ständigen Fortschritt. Sie hatten offenbar ein Problem gelöst, vor dem wir heute stehen.


Unter weitreichender historischer Perspektive beleuchtet Dieter Kramer in seinem Buch „Es gibt ein Genug“ die Entwicklung menschlicher Gesellschaften und das Entstehen und Verschwinden der Kulturen. Diese Perspektive lehrt uns, dass es unstatthaft ist, frühere Geschichtsphasen nur als vormoderne Stufen auf dem Weg zur heutigen Moderne zu interpretieren. Andere Kulturen und Phasen der Geschichte hatten bereits Lösungen für die Nachhaltigkeit gefunden – in der Bronzezeit ebenso wie in der Renaissance. Kramer zeigt auf, was wir daraus für den Übergang zur Postwachstumsgesellschaft lernen könnten, vor dem wir heute stehen.


Dabei spielt der „informelle Sektor“ in den Volkwirtschaften eine große Rolle. Er ist bedeutsamer als die heutige Wirtschaftspolitik annimmt, für die es fast ein Tabu darstellt, dass Menschen freiwillig in diesem Sektor bleiben und ihn nicht nur als Warteschleife für den formellen Sektor betrachten.


Am 18. November präsentiert Dieter Kramer sein „unkonventionelles“ Buch, das einen neuen Blick auf die aktuelle Postwachstumsdebatte wirft und eher undramatisch in den Suchbewegungen, experimentellen Pfaden und molekularen Wandlungen unserer heutigen Gesellschaft die Vorboten eines neuen nachhaltigen Zeitalters aufspürt.

 

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5 vor 12 – Haben wir noch Zeit für Nachhaltigkeit?

Am 03.12.2020 um 19 Uhr in der stratum lounge

Die „Es ist 5 vor 12“-Metaphorik gehört zu den Argumentationsfiguren der Umweltbewegung seit ihren Anfängen. Seit Greta Thunberg definiert außerdem die Generationen-Metapher, die im Brundtland-Report den Beginn des Nachhaltigkeits-Topos markierte, eine neue Qualität der Auseinandersetzung, die die  (lebens-)zeitliche Dimension von Nachhaltigkeit benutzt, um moralischen Nachdruck zu entfalten.

 

Jürgen P. Rinderspacher geht in seinem Buch „Beeilt euch!“ der zeitlichen Dimension von Klimawandel und Nachhaltigkeit auf den Grund. Er analysiert u.a. die Vorstellungen, die mit der Idee von „Kipppunkten“ verbunden sind, und beleuchtet kritisch die Idee, man könne Umweltverbrauch durch mehr „Zeitkonsum“ reduzieren.

 

Das Spannende daran ist, dass Rinderspacher nicht als Idealist an die Aufgabe herangeht. „5 vor 12“ erzeuge möglicherweise mehr Panik als Handlungsbereitschaft, stellt er kritisch fest. Unsere Vorstellungen von einer notwendigen großen sozialökologischen Transformation ignorierten, dass die Umweltproblematik andernorts auf dieser Welt auch ganz anders wahrgenommen werde und mit anderen Lebensrealitäten verbunden sei als bei uns. Wir leben also möglicherweise gar nicht in einer gleichzeitigen Welt...

 

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler beobachtet „eine gefährliche Asynchronität zwischen dem politischen System eines westlich-liberalen Parlamentarismus auf der einen Seite und dem Erfordernis einer raschen Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel und andere Formen der Umweltzerstörung auf der anderen Seite“, die dazu führe, dass die Politik zu langsam auf diese Herausforderungen reagiere. Längst gebe es auch einen weltweiten Wettbewerb um ökologische Effizienz, bei dem totalitäre und autokratische Systeme möglicherweise einen Vorsprung bekommen, weil sie weniger Rücksicht auf ihre Zivilgesellschaften nehmen müssten.

 

Wobei die große Frage ist, ob Effizienzgewinne tatsächlich der Umwelt zugutekommen oder nicht durch Rebound-Effekte kompensiert werden. Auch die Zeitgewinne, die uns der Fortschritt bringt, verwenden wir ja nicht, um müßig aus dem Fenster zu schauen, sondern wir setzen sie dazu ein, ständig das eigene Lebensniveau zu steigern.

 

Trotz solcher eher skeptischer Beobachtungen gibt Rinderspacher im letzten Teil seines Buches dem Versuch sehr viel Raum, das Konzept eines „persönlichen Umweltkontos“ zu entwerfen, das zeitliche Investitionen in einen entschleunigten und ressourcenärmeren Lebensstil unterstützen und „eine tiefgreifende Wirkung auf die Struktur der persönlichen Zeitverwendung“ entfalten könnte.

 

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