Wir tauschen uns gerne aus.

In der stratum lounge finden regelmäßig Lesungen, Diskussionsrunden, Netzwerktreffen und sonstige Veranstaltungen statt - zu Themen, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten. Informieren Sie sich hier und kommen Sie uns besuchen!



Wie ethisch kann Konsum sein? Wem Standards und Labels im Lebensmittelgeschäft wirklich nützen

Am 23.05.2017 um 19 Uhr in der stratum lounge

Standards, Zertifikate und Labels wollen Orientierung geben. Konsumenten sollen Sicherheit darüber bekommen, was sie kaufen. Und zusätzlich ein gutes Gewissen. „Bio“, „Fairtrade“, „aus geprüften Anbau“, „aus der Region“, „ohne Gentechnik“ -  im Supermarkt bekommt man den Eindruck, die Lebensmittelindustrie und der Handel tun alles, um gesundheits- und umweltbewusste Kunden, die sich um die Nachhaltigkeit ihres Lebensstils Gedanken machen, zufrieden zu stellen.

 

So zu denken, wäre naiv. Experten wie Rudolf Buntzel, der sich 35 Jahre lang mit Ernährung und Entwicklungspolitik beschäftigt hat, kommt zu einem anderen Schluss: „Die Supermarktketten wollen die Standards aus Haftungsgründen und um die globale Versorgung zu managen; die Regierungen wollen sie, um die Verantwortung nach den Lebensmittelskandalen zu privatisieren.“

 

Allein 441 Standards im Agrar- und Ernährungsbereich innerhalb der EU, so hat Buntzel nachgezählt, sind private Initiativen. Ethik sei heute in der internationalen Lebensmittelwirtschaft weitgehend Privatsache und diene in erster Linie den großen Handelsfirmen, wie man am Beispiel der Bioavocados, die wir das Stück für 2,40 im Laden kaufen, sehen könne: „Die hochpreisigen tropischen Früchte werden nur selten von Kleinbauern in Entwicklungsländern hergestellt. Bioavocados … sind für betuchte Verbraucher im Norden gedacht. Die Biozertifizierung hat zur Aneignung der Premiumgewinne durch international operierende Handelsfirmen geführt und erhebliche Schranken für die Beteiligung der Kleinbauern des Südens errichtet.“

 

Wohin die Entwicklung geht, ob Nachhaltigkeit durch die Standardisierung auf den Nahrungsmärkten gefördert werden kann – oder ob sie nicht vielmehr „kolonialisiert“ wird, diskutiert der Autor des Buches „Gutes Essen – arme Erzeuger“ am 23. Mai mit Ihnen bei stratum.

 

Wir empfehlen Ihnen: Melden Sie sich rechtzeitig an! Wir haben nur eine begrenzte Platzanzahl.



2000 Quadratmeter für jeden – Warum wir alle Selbstversorger werden sollten

Am 12.06.2017 um 19 Uhr in der stratum lounge

Wussten Sie, dass Ihnen – wie jedem anderen Erdenbewohner - 2000 Quadratmeter Acker für Ihre Eigenversorgung zustehen? Damit könnten Sie z.B. am Rande von Berlin auf 150 qm Sojabohnen, 1000 qm Weizen, 300 qm Mais und 200 qm Ölsaaten anbauen. Dazu kämen 350 qm für Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte. Das reicht leicht für Ihre Grundversorgung.

 

Markus Bogner macht diese Rechnung in seinem Buch „Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen“ auf. Und der Autor weiß, wovon er schreibt, denn er bezieht seine Erkenntnisse nicht aus Büchern, sondern dem eigenen Leben. Zusammen mit seiner Frau und drei Kindern lebt Bogner seit 2009 in Oberbayern als Kleinstlandwirt. Auf 100 Hektar versorgt er sich und seine Familie rundum selbst. Er ist überzeugt, dass in seiner Art der Landwirtschaft „die Keimzelle für eine bessere, eine ‚enkeltaugliche‘ Welt steckt“. Selbstbewusst verkündet er: „Dieser kleine Bauernhof bietet Lösungen für viele Probleme, die uns auf globaler Ebene immer stärker beschäftigen.“

 

Nicht der Verzicht auf Fleisch – Bogner hat sich bewusst für das Fleischessen entschieden – und nicht das Etikett „Bio“ – das heute ebenso wie die konventionelle Landwirtschaft auf industrialisierten Großstrukturen angewiesen ist – sind der Clou in Bogners Konzept. Sondern die Wiederherstellung des Kontakts zwischen Erzeuger und Verbraucher. Wenn wir unsere Nahrungsmittel nicht im Supermarkt einkaufen, sondern direkt beim Bauern, bekommen wir wieder ein „Gespür für Qualität“.

 

Der kulturelle Wandel werde von Gemeinschaften ausgehen, in denen Erzeuger und Verbraucher zusammenarbeiten, sich kennen und etwas tun, anstatt auf Veränderungen von oben zu warten. Beispiele wie das „Kartoffelkombinat“ in München ermutigen Bogners Vision, dass solche Hof-Projekte der solidarischen Landwirtschaft bald wachsen und zu Dorf-Projekten werden, die beginnen, die Menschen der Großstädte zu Selbstversorgern zu machen. Auch in Berlin sei das möglich, meint Markus Bogner.

 

Am 12. Juni wird sein Vortrag von einer Vorstellung der Initiative „Meine Landwirtschaft“ durch Benedikt Haerlin (Zukunftsstiftung Landwirtschaft) flankiert.

  

Wir empfehlen Ihnen: Melden Sie sich rechtzeitig an! Wir haben nur eine begrenzte Platzanzahl.